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Inflation und Deflation

PREISSTEIGERUNGEN VERSUS PREISSENKUNGEN

Inflation und Deflation sind Worte, die unser Lieblingscharakter “Rainer Zufall” wirklich nur sehr ungern hört. Und gerade im Radio und beim Fernsehen hört er sie immerzu. Es macht ihn auf eine ungewisse Art und Weise Angst. Er weiß nämlich zum einen nicht genau was unter ihnen zu verstehen ist, zum anderen ist ihm aber schon häufig zu Ohren gekommen, dass sie schlechte Nachrichten bedeuten. Damit unser Lieblingshamster Rainer nicht länger im Dunkeln tappt und damit er einen weiteren kleinen Schritt in Richtung eines finanziell freien Lebens als Fuchs tätigen kann, beleuchten wir beide Begriffe etwas näher.

Definition von Inflation

Das Wort Inflation kommt aus dem Lateinischen “inflare” und bedeutet aufblähen, ausweiten bzw. ausdehnen. In den den Wirtschaftswissenschaften bezieht es sich eigentlich auf die Geldmenge. Das heißt, dass innerhalb eines Währungssystems bzw. im Gesamtsystem immer mehr Geld hinzukommt. Das muss deshalb betont werden, weil Inflation häufig mit Preissteigerungen bzw. Kaufkraftverlust gleichgesetzt wird. Das ist aber nicht ganz richtig, wenngleich es heute annähernd dieselbe Bedeutung hat. Wir spezifizieren den Begriff Inflation daher folgendermaßen:

Eine Ausweitung der Geldmenge (Inflation), über die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft hinaus, führt zu einem Kaufkraftverlust.

Das heißt, wenn die Wirtschaft beispielsweise um drei Prozent wächst, die Geldmenge (wir sprechen hier immer von Zentralbankgeld – das von Geschäftsbanken mittels der Teilreserve ja nochmal um das mindestens 100-fache gehebelt werden kann) jedoch um vier Prozent ausgeweitet wird, führt das zwangsläufigerweise zu Preiserhöhungen. Warum? Durch die Ausweitung befindet sich mehr Geld im Umlauf, als für den gesamten Waren- und Dienstleistungskonsum eigentlich benötigt wird. Damit müssen die Preise steigen. Dadurch pendeln sich beide Seiten wieder in ein (nun höheres) Gleichgewicht ein. Preiserhöhungen erzeugen höhere Lebenshaltungskosten und kommen damit einem Kaufkraftverlust gleich. Einfach gesagt heißt das, dass dieselbe Menge Geld morgen weniger wert ist als heute. Wir können uns damit also insgesamt weniger leisten. Das Leben wird teurer, schließlich werden unsere Einkommen ja nur selten an die Inflation angepasst und erhöht! Ob die Geldpolitik nun eher Inflation oder eher Deflation befördert, kann man ganz einfach anhand eines Merksatzes feststellen.

Geldmengenwachstum dividiert durch Wirtschaftswachstum
= größer als 1, dann Kaufkraftverlust durch Preiserhöhungen.
= kleiner als 1, dann Preisverfall (Deflation und Wirtschaftskollaps).

Inflation hat viele Konsequenzen und bei weitem nicht alle sind negativ! Besonders positiv für Schuldner ist nämlich, dass die reale Schuldenlast sinkt. Wie ist das zu verstehen? Wenn Geld durch Geldmengenausweitung weniger wert wird, sinken relativ gesehen die Schulden oder besser gesagt die Verschuldungsquote (die häufig ausschlaggebend ist). Ganz besonders interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die größten Schuldner der Welt die Nationalstaaten sind. Man stelle sich nur einmal kurz vor, es gäbe nun eine Hyperinflation wie in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals kostete ein Brot teilweise 105 Milliarden Mark! Plötzlich könnte man die gesamten Staatsschulden von über 2 Billionen Euro mit dem Preis einiger Brote begleichen! Ja, auch so funktioniert Wirtschaft! Umgekehrt hat dies zur Folge, dass auch Guthaben deutlich an Wert verlieren. War man vorher hundertfacher Milliardär, konnte man sich damit, statt heute ganze Landzüge, ebenfalls nur noch ein einziges Brot leisten. In inflationären Zeiten sind die Schuldner daher gegenüber den Gläubigern durch die relative Senkung der Schuldenlast im Vorteil.

Deflation: Definition und Bedeutung

Die Deflation ist folglich das Gegenteil der Inflation. Bei einer Deflation fallen die Preise. Sie fallen, weil die Geldmenge geringer ist, als für den Konsum aller Waren und Dienstleistungen notwendig wäre. Damit auch hier wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann, müssen die Preise gesenkt werden. Die Lebenshaltungskosten sinken – das Leben wird insgesamt günstiger! Zu den Konsequenzen gibt es unterschiedliche Sichtweisen die eine ganze Bandbreite von überaus positiv bis völlig negativ abdecken. Zum einen könnte durch fallende Preise die Wirtschaft angeheizt werden. Weil alles günstiger wird, konsumieren die Menschen mehr und das sorgt für Wirtschaftswachstum (ein ähnliches Szenario erleben wir im Juni 2016). Auf der anderen Seite kann es aber auch zu einem deflationären Schock kommen, weil die Menschen darauf spekulieren, dass die Preise zu einem späteren Zeitpunkt noch günstiger sind als heute. In diesem Fall konsumieren sie weniger. Das führt zu Umsatzschmälerungen der Unternehmen und zu Verlust von Arbeitsplätzen – die Wirtschaftsleistung sinkt. Außerdem kann es durch die sich zuspitzende Knappheit von Geld (bei der Inflation herrscht ein Überschuss) zu einem Totalkollaps der Wirtschaft kommen.

Werbung kostenloses Buch + BegleitkursAufgrund dieser Gefahren wird eine Inflation im Allgemeinen viel eher in Kauf genommen, als eine Deflation. Zum einen zwingt man die Menschen dadurch, lieber heute als morgen zu konsumieren (weil die Güter durch die Preissteigerung morgen teurer sind), was das Hamsterrad immer weiter beschleunigt. Zum anderen lässt sich mittels konstanter Inflationsrate zusätzlich die reale Schuldenquote (Staatsverschuldung) senken. Deutliche Inflationsgegner sprechen allerdings von Enteignung, da die breite Bevölkerung bei konstanter Inflation schleichend  verarmt und zu immer rastloseren Hamstern gemacht wird.

Unsere drei Buchempfehlungen zum Thema:
F. Taylor, K.-D. Schmidt: Inflation: Der Untergang des Geldes in der Weimarer…*
J. A. Boeckh:
Inflation um jeden Preis: Historie und Zukunft*
R. Taghizadegan, R. Stöferle:
Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation
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